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Stefanie & Boas (zu den Fotos) haben dieses Jahr geheiratet und ich durfte sie bei diesem wunderbaren Fest begleiten! Die beiden haben ihre Hochzeit nachhaltig, fair und vegetarisch gefeiert. Das hat mich wirklich inspiriert und ich habe die zwei gefragt, ob sie mir dazu ein paar Fragen beantworten könnten. Also trafen wir uns und herausgekommen ist ein tolles Interview. Es enthält jede Menge wertvoller Gedankenanstöße zum Thema Nachhaltigkeit, Einblicke in die Vorbereitungen der Hochzeit und viele Tipps, welche ich mit euch teilen darf. Viel Spaß beim Lesen!

Schön, dass ihr euch Zeit für mich nehmt und wir über so ein wichtiges Thema sprechen können!

Nachdem ihr wusstet, ihr werdet heiraten. Wie seid ihr auf die Idee gekommen, eure Hochzeit nachhaltig und umweltfreundlich zu planen?

Wir achten generell auf einen nachhaltigen und fairen Umgang mit Ressourcen. Auch schon bevor wir wussten, dass wir heiraten werden war uns das sehr wichtig. Deshalb war es für uns selbstverständlich auch unsere Hochzeit möglichst umweltfreundlich und fair zu gestalten.

Wie seid ihr an das Thema ran gegangen, wo habt ihr euch informiert oder was hat euch weitergeholfen?

Viele Ideen und Inspirationen haben wir uns auf Pinterest geholt. Aber auch Etsy kann man toll als Inspirationsquelle nutzen. Wir haben versucht, möglichst gezielte Suchanfragen zu formulieren, die Wörter BIO, FAIR oder NACHHALTIG zu benutzten. Außerdem haben wir immer geschaut, ob es eine regionale Lösung gibt! Für die Suche haben wir übrigens DuckDuckGo genutzt, eine tolle Alternative zu Google.Außerdem haben wir viel auf Flohmärkten und bei eBay Kleinanzeigen reingeschaut. Oft bekommt man dort Dinge sogar geschenkt 🙂

Was war euch bei der Auswahl der Dienstleister besonders wichtig?

Wir wollten kleine Anbieter aus der Region unterstützten und nicht die großen bekannten Weltmarken. Zum Beispiel wollten wir für den Sektempfang unseren Gästen Eis anbieten. Hier haben wir einen tollen Bauernhof in der Nähe gefunden, wo Eis selbst produziert wird. Das fanden wir super! Am Ende hatten wir sogar noch ein paar vegane Eissorten mit dabei. 
Ansonsten haben wir auch viel selbst gemacht oder gebraucht gekauft. 

Wenn wir schon beim Essen sind –  ihr habt komplett vegetarisch gefeiert. Es gab also kein Fleisch oder Fisch. Warum?

Wir ernähren uns komplett vegetarisch bzw. auch vegan. Die Überlegung war also, bieten wir für unsere Gäste hochwertiges Fleisch an oder bleiben wir uns treu und verzichten darauf. Wenn du Fleisch anbietest, ist das immer ein Hauptelement beim Essen. Das wollten wir aber nicht, da es uns so einen zu großen Stellenwert bekommen hätte und die vegetarischen Alternativen oft dann nur Beilage sind. Deshalb haben wir uns entschieden uns treu zu bleiben und kein Fleisch anzubieten. Aber uns war klar, dass wir es dann auch konsequent umsetzten müssen. Sonst merken auch die Gäste, dass es irgendwie nichts Halbes und nichts Ganzes ist.

Apropos Gäste – wie kam bei diesen die Entscheidung an?

Im Vorfeld gab es einige, die das nicht gut fanden. Viele hatten die Befürchtung, dass sogar die Stimmung darunter leiden würde. Da muss man dann drüber stehen und sich selbst vertrauen. Nach unserer Hochzeit haben wir dann viele positive Rückmeldungen zum Essen bekommen, auch von einigen, die davor Bedenken hatten. Wir glauben, man hat am Ende einfach gemerkt, dass es authentisch und hochwertig war, auch wenn kein Fleisch dabei war. Außerdem war es ein wenig Out of the Box, was einige Gäste so auch nicht kannten, da die Speisen aus unterschiedlichen Kulturen kamen.Aber man darf das Essen nicht unterschätzen. Es hat bei den Gästen einen enorm hohen Stellenwert. Wir freuen uns, dass unser Vegetarisches so gut angekommen ist. 

Wo habt ihr noch nachhaltige Alternativen eingebracht.

Es waren oft einfach Kleinigkeiten, die schon viel ausmachen. Wir haben unsere Einladungs- und Dankeskarten CO2 – neutral und auf Recyclingpapier drucken lassen und recycelte Umschläge genutzt. Für das Eis haben wir neben Waffeln kleine Schälchen aus Holz genommen.Außerdem haben wir unsere Gäste gebeten, mitgebrachtes Essen nicht aufwendig zu verpacken, sondern einfach so in der Dose auf den Tisch zu stellen. Dann haben wir sehr viel selbst gemacht und alte und gebrauchte Dinge wiederverwertet. Bei den Vasen haben wir zum Beispiel schon im Vorhinein alte Gläser gesammelt und diese als Vasen genutzt. Unsere Traustühle waren eigentlich schon etwas in die Jahre gekommen, bevor sie der Brautvater wieder hergerichtet hat. Wir haben auch aus einem alten Atlas, den wir nicht mehr benötigt haben Wimpel – Ketten gebastelt. Bei den Blumen haben wir uns für regionale und zu diesem Zeitpunkt auch wachsende Wildblumen entschieden. Die ganzen Dekoartikel haben wir nach der Hochzeit aufgehoben und weiter gegeben, an Freunde die auch bald heiraten. 

Gerade das Selbermachen kostet ja auch etwas Zeit. Habt ihr hier Tipps?

Das stimmt! Wir haben schon einiges an Zeit investiert. Aber das ist ja auch etwas Schönes. Ich, die Braut, habe mich oft mit meinen Freundinnen getroffen und wir haben einen Mädelsabend gemacht und währenddessen zum Beispiel Traumfänger gebastelt. Das waren super Abende! Wichtig ist aber, dass es nicht die ganze Zeit und jedesmal um die Hochzeit geht.

Wo ist es euch denn besonders schwer gefallen gute Alternativen zu finden?

Ganz klar, die Kleidung! Gerade ein Hochzeitskleid ist fast nie nachhaltig, da man es oft einfach nur einmal trägt. Eigentlich wollten wir unsere Kleidung aus Ökostoffen und hier in der Region schneidern lassen. Leider hat das mit den Ökostoffen nicht geklappt. Beim Brautkleid haben wir jemanden gefunden, der uns das Kleid regional schneidern konnte. Damit es nachhaltiger wird, haben wir es so gestaltet, dass es nach der Hochzeit ganz einfach umfunktioniert und als normales Kleid getragen werden kann. Beim Anzug war es auch sehr schwierig. Am Ende haben wir uns für einen fair produzierten Anzug entschieden, der hier in Stuttgart angepasst wurde. Außerdem haben wir uns bewusst für einen Anzug entschieden, den Boas auch zu anderen Anlässen tragen kann. Bei den Schuhen haben wir komplett auf neue Schuhe verzichtet. 

Oft verbindet man mit Nachhaltigkeit  ja auch teure Alternativen. Wie war es finanziell?

Das Essen war durch den Verzicht auf hochwertiges Fleisch tatsächlich günstiger! Außerdem haben wir durch das Kaufen von gebrauchten Gegenständen und dem Wiederverwenden von Dingen einiges gespart. Es hat natürlich auch geholfen, dass wir sehr vieles selbst gemacht haben. Das wäre ohne die Hilfe unserer Familien und Freunde nicht möglich gewesen. Hätten wir uns am Ende für einen einzelnen nachhaltigen und fairen Dienstleister entschieden, bei dem alles aus einer Hand kommt, wäre es auf jeden Fall teurer geworden.

Zum Abschluss –  wenn ein Brautpaar ebenfalls nachhaltig und fair heiraten möchte und ihr ihnen einen Tipp mitgeben könntet, welchen Tipp würdet ihr geben?

Bleibt flexibel und euch selbst treu! Es gibt nicht für alles eine nachhaltige Lösung! Aber es gibt andere Wege, die man einschlagen kann, um es nachhaltiger zu lösen. Deshalb bleibt flexibel und seid nicht zu perfektionistisch. Sich treu zu bleiben ist auch unglaublich wichtig, wie wir finden. Jeder hat ein anderes Bild von einer perfekten Hochzeit. Hier ist es wichtig, authentisch zu bleiben und es so zu machen, wie ihr es gut finde und wie es zu euch passt. 
Und eines möchten wir auch noch sagen 🙂 Sprecht mit den Dienstleistern über euer Vorhaben! Erzählt, dass ihr nachhaltig und umweltfreundlich heiraten möchtet. Ganz viele werden euch dabei unterstützen und Ideen einbringen. 

Wow! Vielen lieben Dank liebe Stefanie und lieber Boas für das tolle und auch für mich inspirierende Gespräch. ❤️

Hier noch die Dienstleisterlister:

Location: Kindlerhof Renningen

Brautklein: Rispetto Lingerie

Anzug: Mr. Ash

Bauernhofeis: Bauernhofeis Müller

Druckerei: Die Umweltdruckerei

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